♫♪ Keep calm and rock on.

Dienstag, 25. November 2014

Neues von der Verschollenen

Ich mache mich ja ziemlich rar in letzter Zeit. Kaum ein Blogeintrag, hier und da mal ein Minipost auf Poolys und mehr nicht. Das hat aber auch Gründe. Zwei Gründe um genau zu sein, und die finden am 2. und am 4. Dezember statt und erfordern Kenntnisse über Knochen, Bänder, Gelenke, Muskeln, Arterien. Venen, Lymphgefäße und Nerven des gesamten Bewegungsapparats. Und noch ein paar Sachen mehr.
Ja ... ich habe bald Modulprüfungen. Ein Anatomie-Testat, in dem wir an den Leichen abgefragt werden, und eine Multiple-Choice-Klausur, die alle Fächer abfragt, die wir haben. Die Prüfungen ... nun, mit etwas Glück werde ich knapp bestehen, denke ich. Mit etwas weniger Glück nicht. Ich kann nur warten und hoffen.
Aber zumindest die Lehrveranstaltungen machen Spaß, so weit Lehrveranstaltungen eben Spaß machen können. In Physiologie haben wir zum Beispiel gestern eine Art Quiz mit Übungsfragen gemacht, die denen in der Klausur ähneln. Da haben wir mit Sendern die Antworten ans Programm geschickt, anonym natürlich, und dann wurde gezeigt wie viele was geantwortet haben. Das war schon ganz witzig. Auf dem Zettel, auf dem ich mir zur Besprechung der Fragen Notizen gemacht hab, sind aber mehr Kritzeleien als Notizen. Diverse Notenschlüssel und Instrumente als erste Gedanken für das Tattoo, das ich mir irgendwann mal stechen lassen will (und welches ich gern selbst designen würde, aber ich bin ideenlos. Komplett ideenlos), und das hier: https://www.dropbox.com/s/wzaphva91yjun0d/20141124_144402.jpg?dl=0 Man merkt üüüüberhaupt nicht, wovon ich einen Ohrwurm hatte, nein nein (auf dem Feuerzeug steht übrigens The Velvet Underground. So ein Feuerzeug hätte ich ja gerne, aber dann auch wieder nicht. Nicht, dass es mich noch auf dumme Ideen bringt.)

Ich frage mich auch manchmal, was andere Menschen wohl so denken, wenn sie Gespräche von Medizinstudenten mit anhören. Das haben eine Freundin aus der Uni und ich z.B. gestern zustandegekriegt:

"Woodstock! Wenn ich in der Zeit zurückreisen könnte, dann würde ich immer wieder zu Woodstock reisen 
*beat*
und mich vermutlich mit LSD zudröhnen."
"Haha, vielleicht wirst du mal Patientin. Ärzte sollen ja verrückt sein."
"Ich wollte mal Psychologin werden, hier hast du die Erklärung."
"Ich will Psychiaterin werden. Ich fand vorher Chirurgie ganz toll, aber da wusste ich auch nicht, wie viele Strukturen es gibt. Die schneid ich schon beim Präppen immer durch."
"Ich auch! Ich hab die Vena saphena magna durchgeschnitten. Ich hatte nur noch so wenig Zeit, da dachte ich den Klumpen Fett kann ich noch schnell abmachen und dann war sie plötzlich durch!"
"Ich auch!
[...]
Aber weißt du was mich aufregt? In dem Edeka hier gibt's gar kein Knoppers!"

Dreimal dürft ihr raten, wer das mit dem LSD gesagt hat ...
Tja, wir sind an mehreren Leuten vorbeigekommen. Irgendwie ... hätte ich gerne in deren Köpfe geschaut, als die gehört haben, worüber wir uns so unterhalten. Wir, die zukünftigen Ärzte. Wem das schon zu viel ist, der sollte die zukünftigen Ärzte nicht beim Flunkyball beobachten. Oder beim Trinken allgemein.

Tja, und abgesehen davon gibt's tatsächlich auch was ausm kreativen Bereich zu berichten. Ich schreibe. Sehr wenig und sehr langsam, aber ab und an schreibe ich. Nichts währt ewig hat nun schon drei vollendete Kapitel, und nach der Prüfung werde ich unter Umständen sogar die Motivation haben, das vierte zu schreiben.
Und ich habe ja eine Menge Covers aufgenommen. Eine große Menge. Und habe noch vor, ein richtig gutes Video (ahaha, "gut") von Heroin zu machen. Wenn ich das fertig hab, kann ichs verschicken, ganz öffentlich wirds nicht gepostet. ;) Aber in die Dropbox hochladen kann ich es dann auch, wenn es so weit ist. Morgen kriege ich nämlich endlich, ENDLICH mein W-Lan. *_* Ganz schnelles Internet, Flat ohne Limit und Drosselung. Und dann muss ich mich endlich nicht mehr mit langsamem Mobilem herumplagen. Das Leben meint es doch gut mit mir. :D
In der nächsten Woche wird man trotzdem noch wenig von mir hören. Aber vielleicht kriege ich es ja noch hin, halbwegs traumafrei von der Prüfung zu erzählen, das wäre doch was. Dann hättet ihr den ersten betrunkenen Blogeintrag. ^^
Und (darauf bin ich aber auch nur durch Alex' und Georgs Eintrag gekommen) - am 1. Dezember wird mein Blog ein Jahr alt. Da werd ich vielleicht, wenn ich dran denke und nicht zu panisch bin, auch noch nen kleinen Eintrag schreiben. :D

Dienstag, 11. November 2014

Gedanken beim Präppen

Gestern war ich ja nicht beim Präparierkurs. Nicht etwa, weil ich keine Lust hatte oder krank war, nein. Ich habe es scheinbar hingekriegt, im Halbschlaf meinen Wecker auszustellen und weiterzuschlafen. Daran erinnern tu ich mich nicht, aber als ich aufgewacht bin, hatte der Kurs gerade begonnen. Tja, äh, ups? ^^'
Dafür war ich heute da. Und meine Gedanken während des Präppens waren mal wieder .. naja, lest selbst. ^^

~

Ach du Scheiße, was ist denn hier alles passiert? Ich wünschte, ich wäre gestern da gewesen.
Das ist ja alles eine einzige braune Pampe. Und da soll ich irgendwas identifizieren?
Ah, okay, wir besprechen es zumindest ...
Nicht so schnell! D:
Diese Leitungsbahnen sehen alle gleich aus. Aber zumindest weiß ich, wie man beim Präparat Venen und Arterien unterscheidet, ha!* Ich weiß was.
...
Die fühlen sich gleich an ... ._.
Okay, ich schau mir jetzt das Bein mal an und vielleicht erkenne ich doch was.
Hihi, der Nervus ischiadicus.**
Rücken ... die haben den gesamten Latissimus dorsi abgeschnitten. Autochthone Rückenmuskulatur ... die kann ich doch gar nicht. 
Yay, ich kann was am Nacken machen. :D
Kurze Nackenmuskeln ... Atlas. Ich brauch eindeutig nen Anatomieatlas.
Und die Dinger soll ich jetzt freilegen? Aber da ist doch zu viel Kopf im Weg ...
Okay, der Muscuus rectus capitis major und der Musculus obliquus capitis inferior sind zu sehen, das heißt, ich muss da noch den Rectus capitis minor und den Obliquus capitis superior finden.*** 
Bindegewebe ... alles voller Bindegewebe. Weg damit.
In der Aushöhlung da erkennt man doch nichts. Wenn ich nun den Muskel zerschneide ... okay, ich steck da jetzt den Finger rein.
Hihi, that's what he said.
Hm ... fühlt sich aber alles nicht nach Muskel an.
Okay, Skalpell.
Moooooment, der Lappen da ist der Trapezius? Ich dachte, den hätten sie ganz abgeschnitten.
Ob das wirklich so gut ist, da so viel mit dem Skalpell rumzuschneiden ...
Ach, scheiß drauf. Weg damit.
Diese blöden Muskelansätze ... wozu soll man die bitte erhalten, man erkennt doch eh nichts außer Fasern. 
Schnipp schnapp, Bindegewebe ab.
...
Moment, den Nerv da sollte ich doch erhalten. Mistus verdammtus.
Vielleicht finde ich ihn ja noch auf der anderen Seite ...
Wo sind denn nur diese blöden Muskeln? Irgendwo müssen die doch sein.
Oder war's Mistus verdammtialis? Ich und Latein...****
Hiiiieeeerher, Rectus capitis minor, putt putt.
Bindegewebe. IMMER NOCH Bindegewebe.
Und nun bin ich mit der Haut gegen die Leiche gekommen ... aaaach, was soll's. Wird ja sauber gehalten.*****
Na komm schon, Muskelchen, zeig dich.
Ob ich den rausgeschnippelt und das nicht gemerkt hab? Aber warum sollte ein Muskel aussehen wie Bindegewebe?
Ich hab hier garantiert irgendwas kaputtgemacht. Vielleicht sollte ich lieber stumpf mit der Pinzette präparieren ... ach, scheiß drauf. Schnippedi-schnapp.

*Arterien sind elastischer und kehren eher in ihre Form zurück, wenn man sie zusammendrückt. Venen dagegen sind labberiger. Und Nerven kann man übrigens gar nicht so zusammendrücken wie Gefäße, weil sie kein Lumen haben (also innen nicht hohl sind).
**Das ist eine Anspielung auf einen Blogeintrag, den ich inzwischen wieder gelöscht hab, weil er mir doch zu nivealos war. Der Nervus ischiadicus ist der dickste Nerv des Menschen und verläuft in der Gluteal(Gesäß-)region unterhalb des Musculus gluteus maximus. Ein dickes Ding im Arsch eben, das man findet, wenn man der Leiche den Arsch aufreißt (bzw den Gluteus maximus durchschneidet). Ja, ich bin pubertär.
***Alles kurze Muskeln im Nacken, die den Kopf stabilisieren. Nein, die müsst ihr nicht kennen. ;) Aber ich kann sie inzwischen.
****Tatsächlich hatte ich heute Nachmittag dann im Lateinunterricht das Thema Adjektive. Beide Endungen gibt es, aber verdammtus klingt doch passender. ^^
*****Ich bin schon öfter mit der Haut gegen die Leiche gekommen, wenn der Ärmel von meinem Kittel hochgerutscht ist. Klingt ekelhaft, ist aber tatsächlich unbedenklich. Ein besonders abgehärteter Dozent hat heute angeblich sogar die Leiche nochmal mit den Händen aufgemacht, nachdem er seine Handschuhe schon weggeschmissen hatte und gemerkt hat, dass da noch was gemacht werden musste. Das einzige, was wirklich eklig ist, ist das Fettgewebe, weil es eben schmierig und fettig ist. Aber das ist nach einmal Händewaschen auch weg und mit Handschuhen spürt man's genauso.

~

Wie sich herausstellte, habe ich die Muskeln übrigens NICHT kaputtgemacht oder übersehen. Der Rectus capitis minor liegt einfach nur zu tief, um ihn freizulegen und der Obliquus superior zu weit lateral (also an der Seite).
Die autochthone Rückenmuskulatur kann ich inzwischen etwas besser und die untere Extremität ... sagen wir ich hab sie mir (zum wiederholten Mal) angeschaut. Aber anschauen ist was anderes als können. ^^'
Oh, und ich habe einen eröffneten Rückenmarkskanal gesehen. Ich MAG den Präpkurs. Auch, wenn alle anderes es makaber und eklig finden, wenn ich davon erzähle. Der macht Spaß.
Was das wohl über mich aussagt ...
Ich geh dann mal Leitungsbahnen büffeln. Die kann ich nämlich noch nicht und entwickle langsam einen besonderen Hass gegen sie.

So, und das war's auch fast schon wieder. Aber falls jemand sich ein Video mit Heroin Chic und meinem Gesinge anschauen möchte, kann er mir gerne schreiben. Den link direkt hier posten mag ich noch nicht, auch wenn das hier kaum einer liest, aber ich trau mich eben doch nicht. Und auf Pooly's wollte ich ja eigentlich auch was posten, aber ... ähem. Mimose und so. Und die anderen, die was von sich hochladen, sind einfach so viel besser, dass es in einem ziemlichen Ego-Abfuck resultieren würde. ^^'
Theoretisch würde ich ja auch mein Schätzchen Heroin hochladen, aber ... das gleiche Problem. Und sobald ich W-Lan habe, poste ich hier vielleicht mal ein paar neuere Dropbox-Links.
Bis dahin mag sich vielleicht einer an einer alten (ausdrücklich alten! und subotpimalen) Coverversion von Nancy Boy "erfreuen". Oder was zu lachen haben. Mich auslachen vermutlich ... ^^'
https://www.dropbox.com/s/veqlrlf36lteeb6/Sprachmemo%20258%20%281%29.m4a?dl=0

Und man kann es glauben oder nicht, aber ich habe tatsächlich auch ein Bisschen geschrieben. Eine einzige Szene in Nichts währt ewig, und die nicht mal fertig, aber besser als nichts, was? Hier mal ein kleiner Einblick in das komplett unüberarbeitete Geschreibsel... es hat irgendwie Spaß gemacht, die Szene zu schreiben.

"Ich bin kein Bettler, Mädchen." Der Mann hatte inzwischen die Augen geöffnet und sah sie eindringlich aus winzig kleinen, in etwas zu stechend grüne Iriden gebetteten Pupillen an. Lee versteifte sich etwas und betrachtete ihr Gegenüber. Er wirkte heruntergekommen, aber nicht verwahrlost, und es befand sich weit und breit kein Behälter, in den man Geld hätte hineinwerfen können. Lee war geneigt, ihm zu glauben. Ein Bettler war er nicht; dafür aber ein offensichtlicher Junkie. Die schwarze Lederjacke, die er trug, war nur über einen Arm gezogen und hing am Rücken lose herab. In der entblößten rechten Armbeuge konnte Lee zahlreiche Einstichnarben ausmachen, einige schon recht alt, andere noch ganz frisch und neben ihm lag, scheinbar achtlos beiseiteglegt, eine benutzte Spritze.
"Du kannst auch gerne Fotos von meinem Arm machen und sie auf Facebook stellen, wenn er dich so fasziniert", meinte der Mann nun spöttisch, was Lee dazu brachte, zusammenzufahren und ihm wieder ins Gesicht zu sehen. Noch immer musterte er sie eindringlich, zu intensiv und gleichzeitig merkwürdig verklärt. Was jedoch vermutlich mit den Drogen zu tun hatte, unter deren Einfluss er gerade stand.
"Tut mir leid", sagte sie. "Ich ... wollte nicht unhöflich sein."

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Faszien, Formalin und attraktive Allgemeinmedizin

Tja. Ich hatte euch ja vorgewarnt, und nun kommt der Beitrag zum wahrscheinlich ekligsten Thema des gesamten Medizinstudiums: dem Präppen.
Da aber seit Montag ein wenig Zeit vergangen ist, weil ich mal wieder nicht zu dem Zeitpunkt zum Blogge gekommen bin, zu dem ich wollte, wird der Post nicht nur vom Präppen handeln, sondern auch von der heutigen Berufsfelderkundung, was ich später noch genauer erklären werde. Sofern ich dazu komme, alles heut zu schreiben. Aber wahrscheinlich werde ich das, weil ich mich gerade nämlich äußerst effektiv vor dem Lernen der dorsalen epifaszialen Strukturen drücke.

Wie ich es beim vorletzten Eintrag bereits angekündigt hatte, hatte ich am Montag also das erste Mal Präppen. Und eine Scheißangst davor. Zugegeben, ich habe mich am Abend zuvor auch schön blöd angestellt. Bis fünf Uhr morgens wachgeblieben und somit gerade mal eine Stunde geschlafen, weil ich immer auch noch eine Weile brauche, um einzuschlafen, und das nicht mal wegen feiern, sondern wegen chatten. Warum ich die Müdigkeit den ganzen Vormittag über kaum gespürt habe, ist mir noch immer ein Rätsel. Jedenfalls hatte ich also eine Stunde geschlafen und am Morgen außer einer Reiswaffel und zwei Bechern Kaffee (die ich dringend nötig hatte) nichts zu mir genommen. Und zwar mit voller Absicht. Uns wurde ja geraten, für das Präppen ordentlich zu frühstücken, aber direkt davor nichts mehr zu essen, um sowohl einer Ohnmacht, als auch Erbrechen vorzubeugen. Das geht nun nicht, wenn man so früh schon Präppen hat. Und da ich unter einer leichten Emetophobie leide, habe ich beschlossen, dass Umkippen für mich eindeutig das kleinere Übel wäre.
Herrlich unvorbereitet war ich natürlich auch noch, weil ich mir zwar einen Präparierkittel und Präparierbesteck zugelegt hatte, aber keine Handschuhe. Deshalb musste ich morgens, bevor ich zur Uni gegangen bin, noch einmal schnell zum Aldi um die Ecke rennen, um mir eine Packung Einweghandschuhe zu besorgen. Tja, und einen Spind im Anatomie-Gebäude hatte ich auch noch nicht, den hab ich erst seit gestern. :P Wobei das Wort "Spind" eine sehr nette Bezeichnung für diese winzigen Ritzen ist, die man besser mit einer Lupe suchen sollte.

Jedefalls hatte ich also eine Scheißangst vorm Präppen. Als ich dann, mit dem Kittel bekleidet und meinem Besteck und der Handschuhschachtel in der Hand die Treppen in den Präpsaal hochgegangen bin, ging es mir nicht gut. Überhaupt nicht. Ich konnte nicht ganz beurteilen, ob dieses Gefühl in meinem Magen Hunger oder Übelkeit war und wollte es auch lieber nicht wissen, und vor allem wollte ich mich lieber an die Wand lehnen und die Augen zumachen als in diesen Saal reinzugehen. Dazu muss ich sagen, dass mir die Leichen keine Angst gemacht hatten, wohl aber die Gerüche. Ich bin nun sehr geruchsempfindlich und habe mich als Kind wegen Gerüchen oft übergeben müssen. Das und Kotzangst ist keine gute Kombination. Aber als ich reingegangen bin, war es gar nicht schlimm! Es roch nicht ganz angenehm, nach Formalinlösung, wie ich später erfahren habe. Diese Lösung wird den Körpern zur Fixierung injiziert. Allerdings war der Geruch von Anfang an nicht sonderlich stark und nach einiger Zeit habe ich mich so sehr daran gewöhnt, dass ich ihn kaum wahrgenommen habe. Dafür war es dann doch ein äußerst merkwürdiges Gefühl, durch diesen Saal zu gehen, in dem lauter Tische mit zugedeckten Leichen herumstanden. Man hat kaum etwas von ihnen gesehen, weil sie in feuchte Tücher eingewickelt sind und auch noch eine Plastikplane darüberliegt. Die Tücher müssen sein, weil die Fixierlösung stark ethanolhaltig ist und die Leiche sonst austrocknen würde, außerdem enthält die Lösung, in die die Tücher getunkt werden, soweit ich weiß auch ein Mittel, das Pilze abtötet. An einigen Tischen konnte man durch die Plane allerdings bereits präparierte Füße erkennen, die nicht mehr eingewickelt wurden. Bzw das, was an den Füßen noch dran war.

Wie auch immer, wir haben uns also mit einem Tutor (einem Studenten aus einem höheren Semester) und einem Dozenten am Tisch zusammengefunden, pro Leiche ca. 10-15 Leute. Die haben uns einige Dinge erklärt, die ich zuvor bereits im dazugehörigen Skript gelesen (oder eher überflogen) hatte. Dass es wichtig ist, den Präptisch und das Präparat immer sauber zu halten und sorgfältig zu arbeiten. Nicht nur, um einen maximalen Lerneffekt zu erzielen, sondern auch, um eine respektvolle Haltung gegenüber dem Körperspender zu wahren und sorgsam mit seinem Körper umzugehen. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich hier kein Bild von "unserer" Leiche veröffentliche - Handys und elektronische Geräte sind im Präpsaal verboten und Fotos darf man nicht machen. Aber ich denke mal, ihr wollt vielleicht auch nicht unbedingt alles im Detail betrachten. ;)

Dann wurde jedenfalls die Leiche aufgedeckt - ein älterer, wohlgenährter Mann, der seit etwa 1-2 Jahren tot war und dort gelagert wurde. Vermutlich wegen der Lösung waren so gut wie alle Haare ausgefallen und die Haut war ziemlich gelblich. Aber er sah in Ordnung aus. Einerseits ganz klar erkennbar ein menschlicher Körper, andererseits hatte er rein gar nichts mit einem lebenden Menschen gemeinsam. Wir sind das Ganze dann langsam angegangen und sollten den Körper zuerst einmal anfassen, ein Gefühl dafür bekommen, wie der sich anfühlt, was für eine Konsistenz das ist. Ich muss ja zugeben, ich war anfangs wohl die größte Mimose am Tisch. Anfassen war dann doch nicht so angenehm, und ich hab das ziemlich ... zögerlich gemacht. Unten am Fuß und Unterschenkel, wo es irgendwie einfacher war. Und zwischendurch bin ich immer mal wieder einen Schritt zurückgegangen. Nein, mir ging's nicht gut. Mir war nicht übel, aber ich wollte wirklich nicht dort sein, oder zumindest nicht, ohne mich an irgendwem anlehnen zu können. Möglichst einem lebenden Menschen, der sich nicht ungewohnt kalt und steif anfühlte, keine Pusteln an der Hand hatte und nicht aufgeschnitten werden sollte.
Aber irgendwie hat sich das mit der Zeit gegeben. Vielleicht, gerade weil ich das ganze in meinem eigenen Tempo angegangen bin und mich nicht dazu gezwungen hab, sofort im Mund des Toten herumzutasten, um zu sehen, ob er noch Zähne hat. Ich habe es schon als Erfolgserlebnis empfunden, als ich das Bein richtig angepackt und hochgehoben hab, um das feuchte Tuch wegzunehmen. Und als die Dozentin an unserem Tisch die ersten Schnitte gemacht hat, an denen dann später die Haut abgetrennt werden sollte, war das wieder nicht so angenehm und bin hübsch am Fußende geblieben, als sie das Skalpell am Hinterkopf angesetzt hat.
Ich sag's ja, Mimose. :P
Tja, und dann habe ich aber als erste gefragt, ob ich es auch mal versuchen kann, und einen ein paar Zentimeter langen Schnitt unten an der Wade gemacht. Dort bin ich dann auch geblieben und habe die ganze Veranstaltung über die Haut abpräpariert. Als erstes muss man nämlich die Cutis (die obersten zwei Hautschichten) von den darunterliegenden Schichten abtrennen, indem man sie mit einer Pinzette (bah, mit einem Stück Zellstoff und der Hand geht das viel leichter) festhält und spannt und mit dem Skalpell, das man senkrecht zur Cutis hält schabende Bewegungen macht. Und ich sag's euch, es war irgendwie cool. Gut, unten am Bein ist es auch ganz nett, weil die Haut dünn ist und da kaum Fettgewebe war. Das hatte ich am nächsten Tag, als ich am oberen Rücken gearbeitet hab. Da war viel Fettgewebe, sodass ich mein Skalpell ständig abwischen musste. Fettgewebe ist gelbes, sabschiges Glibberzeug, das sich unter der Haut findet und alles vollsaut. Und ich habe leider etwas zu tief präpariert und ein gutes Stück der unter der Haut liegenden Faszie abgetrennt (einer Bindegewebsschicht, die den ganzen Körper umgibt. Und Muskeln. Und ich bin eigentlich ein unwissender Ersti und sollte lieber nicht zu viel erklären, weil's auch genausogut falsch sein könnte). Und ich glaube, auch ein Stück des Muskels.
Ähem.
Ups?
Naja, den Toten wird das nicht mehr stören, aber eigentlich sollte man lieber nicht so tief schneiden, wenn man nur die Haut abtrennen will. Ich habe dann ein Stück der Faszie, die an der umgeklappten Haut hing (sie war zu dick. Viel zu dick) mit dem Skalpell wieder abgeschnitten und an ihren Ort zurückgelegt. Soll man vermutlich nicht, oder muss man nicht, aber da hing Muskel dran und ich wollte irgendwie wieder in die richtige Schicht kommen.
Na, ist jemandem schon schlecht? :P
Diese Faszie ... die hat mich auch noch verfolgt. Ich weiß auch nicht, warum. Während des Präparierens bin ich begeistert und fasziniert dabei, aber einige Stunden später, wenn ich zu Hause bin, fällt meinem Gehirn manchmal ein, dass das ja eigentlich echt ekelhaft war. Tja, immer noch Mimose. Aber ich kann meine Mimosigkeit aufschieben. ^^
Naja, und morgen werden wir dann die ersten Strukturen präparieren, ein paar Gefäße und Nerven und den Muskel, den ich aus Versehen etwas kaputtgemacht hab. So wenig, das .. passt schon. :P Immerhin liegt das Stückchen wieder am richtigen Platz.

Heute hatte ich kein Präppen, sondern etwas anderes - für die werten Leser wahrscheinlich angenehmeres - wovon ich auch noch erzählen will. Und zwar die sogenannte Berufsfelderkundung, bei der man alle zwei Wochen zu einem Arzt fährt und ein bestimmtes Feld erkundet. Fragen stellt, mehr über den Arbeitsalltag erfährt, etc. Diese Woche war das Thema der Erkundung Ambulante Versorgung und ich bin - zugegebenermaßen, weil ich zu spät online gegangen bin, um was beim Neurochirurgen zu buchen, der war dann schon ausgebucht - bei einem Allgemeinmediziner am Arsch der Heide gelandet. Eine Stunde Weg.
Aber ich bin sowas von froh, dass ich da war! Das hat sich absolut gelohnt.
Ich bin von diesem Arzt restlos begeistert. Das war ein unglaublich freundlicher, sympathischer Mensch, dem man gerne Fragen gestellt hat, und der einige unglaublich bewundernswerte Ansichten hat. Vor allem nimmt er sich die Zeit für seine Patienten, die sie brauchen, und berät sie, wenn sie von ihrer Krankheit überfordert sind. Tja, und ich könnte jetzt noch ne Menge erzählen, aber dann würde ich bis Mitternacht nicht mehr aufhören, weil ich noch so begeistert bin, deshalb lass ich es mal. ^^
Allgemeinmedizin ist ja unter Studenten nicht sonderlich populär, es herrscht ein ziemlicher Mangel an Nachwuchsallgemeinärzten und es spricht Bände, dass nach 10 Minuten bei der Buchung bereits nur noch Allgemeinmediziner frei waren, finde ich. Aber irgendwie ... finde ich dieses Feld jetzt total spannend. Und könnte es mir auch für mich vorstellen. Gut, ich könnte mir für mich auch viele andere Sachen vorstellen, allen voran Neurologie, Psychiatrie mit Spezialisierung auf depressive Störungen oder Suchterkrankungen, Gehirnforschung, Suchtforschung, medizinische Psychologie und Soziologie und weiß der Geier was noch alles dazukommt. Und jetzt auch Allgemeinmedizin. Deshalb lege ich mich ganz einfach nicht fest und behalte alle Bereiche im Hinterkopf, die mir so begegnen und die ich toll finde.
Und in 2 Wochen werde ich dann zu einem Psychotherapeuten gehen, der sich auf Suchterkrankungen und komorbide psychische Erkrankungen spezialisiert hat. Ja, mich zieht es eben doch noch zu den Drogen, auch wenn Suchterkrankungen nicht nur Drogen beinhalten. :P Ich freu mich drauf. ^^
Und jetzt ... sollte ich wirklich mal lernen gehen, wenn das Präppen morgen mir was bringen soll. Aber vielleicht meld ich mich ja irgendwann mal wieder, wenn ich nicht gerade von meiner Hassliebe zur Anatomie eingenommen bin und vergeblich versuche, mir den Inhalt meiner Sobotta-Lernkarten einzuprägen. Mal sehen. ^^

Samstag, 25. Oktober 2014

Blog-Challenge

Vor einiger Zeit bin ich ja von Alex und Georg zur Blog-Challenge nominiert worden, Da hab ich geantwortet, dass ich auf jeden Fall mitmachen will, als Zeitangabe stand da nur leider wieder mein hübsches "irgendwann", weil ich keine Ahnung hatte, wann ich mit der Uni überhaupt einen Blogeintrag unter einen Hut kriege. Und mit meiner Faulheit. Vor allem meiner Faulheit. ^^'
Tja, aber "irgendwann" ist jetzt. Ich schiebe gerade - wie immer - Arbeit vor mir her, die ich in der Wohnung noch erledigen muss, hab zwar schon gefrühstückt, aber zögere - wie immer - das endgültige Aufstehen hinaus und bin mal wieder gefangen in dem Teufelskreis der Koffeinsucht: ohne Koffein bin ich zu faul und müde, um Kaffee zu machen, aber wenn ich keinen Kaffee mache, kriege ich kein Koffein. Hm, vielleicht könnte man Koffeinpülverchen ja auch aufkochen und fixen ...
Jedenfalls komme ich nun aber dazu, die Blog-Challenge zu beantworten. Die funktioniert folgendermaßen:

• Verlinke die Person, die dich nominiert hat (siehe oben).

• Beantworte die gestellten Fragen (siehe unten).

• Nominiere weitere 11 Blogger (siehe noch weiter unten, aber es sind wesentlich weniger als 11).

• Stelle weitere 11 von dir ausgedachte Fragen an deine Nominierten (siehe so ungefähr in der Mitte).

• Sag den Nominierten Bescheid, dass sie wissen, dass sie von dir nominiert wurden (haha, die werden sich aber freuen).

Eigentlich ganz einfach, was? Naja, ganze 11 Blogger werde ich nicht nominieren können, aber ich denke mal, das ist kein Problem. ^^

So, kommen wir nun zu den Fragen. :D

1. Welche Windows-Version hat dich bislang am meisten genervt?

Gute Frage. Ich würde ja sagen Vista, weil das ein paar echt blöde Macken hatte, aber da ich das zusammen mit meinem ersten eigenen Laptop gekriegt hatte, habe ich alles durch eine rosarote Brille gesehen und fand das Design einfach hübsch. :P

2. Hast du schon mal für jemanden dein Leben riskiert?

Ich habe generell noch nie mein Leben riskiert, glaube ich. Ob ich es tun würde, weiß ich nicht, schätze mal, es kommt drauf an, für wen. Wie bei jedem eigentlich.

3. Welche Allergie käme dir echt gelegen?

Eine medizinisch nachweisbare Allergie gegen Aufstehen vor 12 Uhr, dazu dann bitte noch ein Attest, sodass ich nicht dazu verpflichtet bin, irgendwas am frühen Morgen zu machen, vielen Dank auch.

4. Worauf hast du dich zuletzt länger als eine Stunde freiwillig konzentriert?

Definiere freiwillig ... eigentlich schweift meine Konzentration immer irgendwann ab, kommt dann aber auch wieder. Wenn man ein paar Sekunden Chat überprüfen nicht mitzählt, würde ich sagen, aufs Physiologie - genauer gesagt auf das Lernen über Membranruhepotentiale und Aktionspotentiale.

5. Was hältst du von Wunderbäumen (Duftbäumchen) im Auto?

Uff, keine Ahnung. Mal hängt da eins, mal nicht, aber riechen tu ich davon eigentlich nie was. Ich fahr ja auch so selten Auto ... Als Kind wurde mir aber mal gesagt, dass das den Autogeruch, von dem mir immer schlecht wurde, schwächer macht und ich mit so nem Bäumchen im Auto nicht kotzen muss, da hat das wohl einen leichten Placebo-Effekt hervorgerufen.

6. Ein Freund/eine Freundin bittet dich, vor seinen Eltern für einen Abend seinen Partner/seine Partnerin zu spielen. Sagst du zu?

Ahaha. Das würde ich sogar tun. Gegen einen Drink meiner Wahl auf jeden Fall.

7. Wann hast du zuletzt Seifenblasen gemacht?

Ich glaube, das war 2012 auf einer Ausstellung im Hosenstall.

8. Magst du Seifenblasen überhaupt?

Ich ... stehe neutral zu ihnen, denke ich. Als Kind mochte ich sie sehr gern und habe auch jetzt nichts gegen sie.

9. Isst du freiwillig Innereien?

Habe ich noch nie, denke ich ... ich weiß auch nicht, ob ich es will.

10. Was für ein Kalender hängt bei dir zu Hause an der Wand?

Im Moment gar keiner. Bin gerade umgezogen und hab noch gar nicht alles ausgepackt (oder möbliert) und eigentlich hab ich auch sonst nie nen Kalender an der Wand hängen, glaube ich.

11. Was traust du dir eher zu: ein Wettrinken mit Alex (Alkohol, nicht Tee!) oder ein Wettessen mit Georg?

Ahaha. Ha. (Fuck.)
Ich habe nun weder Georg essen noch Alex trinken sehen, aber Lexis Eintrag zur Challenge gelesen und ... 
Kaffee-Wetttrinken gegen beide zusammen? 
Ansonsten nehm ich wohl das Wetttrinken. :P


Soo, und weiter gehts. Ich nominiere:




Alle anderen wurden, denke ich, schon nominiert und da wir alle vielbeschäftigte Menschlein sind, wären zwei Nominierungen vermutlich auch etwas viel. ;)

Tja, und nun muss ich mir 11 Fragen ausdenken, oder? Dann wollen wir mal.

1) Was ist das verrückteste, was du je für deine kreative Tätigkeit (egal ob Schreiben, Kunst, Musik oder sonstwas) getan hast?

2) Denkst du eigentlich auch ständig, dass irgendwas eine gute Geschichte ergeben würde?

3) Was brauchst du am Morgen, um in die Gänge zu kommen?

4) Fluchst du viel?

5) Was hältst du eigentlich von Leuten, die viel fluchen?

6) Sprichst du einen Dialekt?

7) Warst du schon mal im Hard Rock Café?

8) No risk no fun oder lieber auf Nummer Sicher gehen? 

9) Wenn dein Arzt dir sagen würde, dass du mit dem Rauchen aufhören sollst - würdest du ihm vertrauen und seinen Rat befolgen, wenn er selbst Raucher ist? (Wenn du Raucher wärst, versteht sich)

10) Hältst du dich selbst für ein gutes Beispiel? Willst du es überhaupt sein?

11) Welche Musik sollte man dir niemals wegnehmen?

So, das wars dann auch schon wieder. Die Benachrichtigungen erfolgen dann irgendwann im Laufe des Tages, wann immer mein mobiles Internet halbwegs brav ist. Die Teilnahme ist für alle natürlich optional. Man muss die Fragen nicht beantworten, und wenn man es tut, muss man niemanden nominieren. Man kann es nur. ^^
Und ich hoffe mal, dass ich auch wirklich bald mal wieder zum Bloggen übers Studium komme. Und zu vielen anderen Dingen, die ich - wie alles, wie immer - mal wieder vor mir herschiebe. :P

Freitag, 24. Oktober 2014

Neues vom verschollenen Lia

Ich habe mich ja nun eine Weile nicht mehr gemeldet. Nirgendwo außer in Ethena, aber da dort bis auf unsere vierköpfige Community keiner unterwegs ist, wird wohl auch kaum jemand was von mir mitgekriegt haben.
Ich würde ja sagen, die Gründe dafür seien vielfältig und komplex, aber eigentlich lassen sie sich leicht zusammenfassen: Uni, Umzug und Faulheit. Für mehr als Hirnschaden-geprägte (haha. "Hirn") RPG-Posts, für die ich mich schon beim Schreiben geschämt habe, hatte ich einfach nicht den Kopf frei, auch wenn ich viel zu viel Zeit damit verbracht habe, nicht die Dinge zu tun, die ich tun sollte. Wie immer eigentlich. :P
Egal. Jetzt bin ich ja wieder hier. Und will demnächst an den Wochenenden mal versuchen, die Schreibtisch-Challenge auf Poolys auch mal zu beenden. Jetzt gibt's aber erst einmal ein Update aus des Lias Leben.

Im Februar dieses Jahres habe ich im ersten 50 Fakten über mich - Post Folgendes geschrieben:

1) Dieses Jahr wird wahrscheinlich der Inbegriff der Veränderung für mich.
- Ich mache Abi.
- Ich fange an zu studieren (hoffentlich).
- Ich ziehe von zu Hause aus.
- Ich werde 20.
Und es wirkt alles noch ganz weit weg. :P


Tja. Und jetzt? Hab ich eigentlich alles davon abgehakt außer dem 20 werden. Das kann ich erst übermorgen abhaken.
Ich bin jetzt seit etwa 3 Wochen an der Uni, wovon die ersten zwei Wochen Orientierungseinheit waren (die zweite bereits mit Anatomie-Vorlesungen) und eine Woche reguläres Studium. Ich muss früh aufstehen und krieg's irgendwie hin, ich gehe trotzdem spät ins Bett, ich stelle mir den Wecker um 6 Uhr und beschließe spontan, eine Vorlesung sausen zu lassen, ich kippe mich mit Kaffee voll und denke manchmal drüber nach, gleich Koffeinabletten zu zerbröseln und durch die Nase zu ziehen, aber im großen und Ganzen klappt es. Irgendwie krieg ich's trotzdem hin, halbwegs regelmäßig zu lernen. Und mit den Studieninhalten verbindet mich bereits jetzt eine Hassliebe. Anatomie zum Beispiel liebe ich, weil man, wenn man die ganzen Begriffe kennt, Flüche und Beleidigungen so schön gehoben formulieren kann. Sowas wie "Führe den Koitus mit deinem Articulatio genus aus" - dem Kniegelenk. ;) Oder "Kopuliere mich lateral" - F**k me sideways!
Die Möglichkeiten sind endlos! Ah, ja, und dann ist es wohl auch ganz nützlich die Anatomie zu kennen, um ein guter Mediziner zu werden und so. Ja. Das auch. Ihr seht schon, ich weiß wirklich, wie man Lerninhalte am besten anwendet. :P
Aber ernsthaft jetzt, eigentlich mag ich das Studium. Ich habe mir dieses Fach ja gewünscht, ich finde es auch immer noch spannend, der Studiengang selbst - ein Modellstudiengang, der mir gleich zugesagt hat - ist bisher auch klasse und das UKE (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, aber ratet mal, was FFler und halbehemalige (weil kaum aktiv) FFler in der Abkürzung lesen :P) ist zwar das RL-Equivalent zum verrückten Labyrinth, ist dafür aber auch gut ausgestattet. Und ich mag meine Kommilitonen und die Dozenten bisher auch alle. In die Anatomie-Vorlesung zu gehen ist trotzdem sinnlos zum Lernen, aber der Dozent ist in seiem Fach so ein Genie und so begeistert davon, dass es sich trotzdem lohnt. Außerdem hat mein "Hirn"schaden (haha. "Hirn".) in der Anatomie-Vorlesung auch die meisten Ideen für RPG-Posts.
Wie auch immer, über das UKE und das Studium wirds vielleicht irgendwann nochmal einen etwas ... satirisch angehauchten Post geben, inspiriert vom Kurzfilm, der uns am Afang der ersten OE-Woche gezeigt wurde.
Tja, und am Montag werde ich zum erste Mal präparieren (von jetzt an nur noch präppen genannt). Das wird auch lustig. Um 8:30 habe ich Morgenmuffel das immer. Uns wurde ja gesagt, wir sollen am Morgen vorm Präppen kräftig frühstücken, aber nicht direkt davor essen - Satz mit X, wird wohl nix. Ja, im Futur. Mein Morgen beginnt ab dem nächsten Montag also fast jeden Tag damit, dass ich zusammen mit etwa 15 weiteren Leuten um einen Tisch herum stehe, auf dem eine 4 Jahre alte Leiche aufgeschnitten wird. So alt sind die, soweit ich weiß, um das Risiko zu verringern, dass die Studenten auf dem Präptisch plötzlich kürzlich verstorbene Nachbarn wiederfinden. Ich mein, selbst wenn man den toten Kerl auf dem Tisch rein zufällig kennen sollte - erkennen wird man ihn nach 4 Jahren auch nicht mehr. Fürs Präppe habe ich mir auch schon einen Kittel (der danach mit 90° und allem was desinfiziert gewaschen wird) sowie ein Präparierbesteck-Set zugelegt. Von Lehmanns. Ich werde noch sehr, sehr viel bei Lehmanns kaufen.

Zumindest hab ich's nicht mehr weit zum UKE. Umgezogen bin ich nämlich auch, jaja. Vor ca. zweieinhalb Wochen, mitten in der OE. Jetzt wohne ich 10 Minuten (mit dem Bus) vom UKE entfernt. Ich hatte etwa einen Tag gebraucht, um das erste Chaos hinzukriegen, als 90% von meinem Zeug noch in der alten Wohnung war. Jetzt ist so ziemlich alles da und liegt in großen Müllsäcken und Kartons im Wohnzimmer. Welches übrigens noch nicht möbliert ist und keine Lampe hat. Und in meinem Schlafzimmer lagen letztens diverse Klamotten, Unikram, Zettel aller Art, diverse Alkoholflaschen, ein paar Wasserflaschen, eine ausgekippte Dose mit Plecs und ein Koffer herum. Das meiste davon hab ich jetzt in meinen riesigen Kleiderschrank gestopft (der noch lange nicht voll ist), jetzt sieht's wieder halbwegs ordentlich aus. Ja, ich bin ein Chaosmensch. Meine Mutter meint, sie müsse sich mit mir mal darüber unterhalten, denn Ordnung schaffe ja Lebensqualität. Tja, aber Alkohol schafft auch Lebensqualität, nur bedeutet das nicht, dass ich jeden Tag trinken muss. Anatomie wäre ein Grund, jeden Tag zu trinken, aber das findet sie dann wieder nicht einleuchtend.
Man sieht also, wie ordentlich, diszipliniert, vernünftig und absolut unigeeignet ich bin. XD

Tja, aber immerhin habe ich bereits meine Haus-Richtlinien aufgeschrieben. Richtlinien, weil Regeln mir etwas zu steif sind.

Haus-Richtlinien  
1) Hier können bis zu 3 Personen übernachten und dürfen es auch, solange ich morgens nicht gestört werde.  
2) Das Epizentrum des Chaos[=mein Zimmer] wird nur mit meiner Erlaubnis betreten. Außer, die Tür steht offen.  
3) In diesem Haus soll es immer ausreichend Bier für alle geben. Es wäre daher schön, dass sich jeder, der hier zu Besuch kommt, ab und an am Biervorrat beteiligt und eine Flasche dalässt.  
4) Alkohol und Drogen aller Art werden kommentarlos akzeptiert und nicht verurteilt, solange keiner zum Konsum gezwungen wird.4b) Wenn ich was abhaben will, dann kriege ich es auch. ;)  
5) Alles, was geraucht wird, bitte auf dem Balkon (dafür darf alles geraucht werden).  
6) Die Uni ist der biblische Gott – ein bevormundender Idiot, dessen Entscheidungen von Willkür geprägt sind und leider das ganze Leben seines Anhängers bestimmen. Deshalb hat man alles, was ich mit der Uni begründe, sei es „keine Zeit“ oder die Aufhebung von Richtlinie Nr. 1, kommentarlos zu akzeptieren.  
7) Wer was gegen mein Chaos sagt, kann auch gleich wieder gehen.


Nein, 4b) habt ihr nicht gesehen. ;) Davon abgesehen bezweifle ich irgendwie, dass es in der nächsten Zeit dazu kommen wird, weil ... in 6 Wochen Modulprüfung, im Februar Krankenpflegepraktikum, im Sommer nochmal, zwischendurch weitere Modulprüfungen ... aber irgendwann werd ich auch mal wieder feiern und zumindest das mit dem Bier umsetzen können. Und meinen 20. nachfeiern. Oder dann meinen 21. Jetzt wird das nämlich nicht mehr wirklich was, wo alle krank sind, weil eine Erkältung rumgeht, müde, weil man im Medizinstudium dauermüde ist, und noch das Präppen vor sich haben.
Ich melde mich dann vermutlich mal wieder, wenn ich endlich was für Poolys geschrieben hab, oder nach dem Präppen, um was von der Leiche zu erzählen. Und um mal Fotos von meinen ganzen Sachen, die ich schon gekauft hab, zu zeigen. Das mache ich aber erst, wenn ich W-Lan habe, im Moment surfe ich nämlich leider nur mit sehr langsamem, mobilem Internet.

Oh, aber eins noch. Erinnert ihr euch noch daran, wie ich mal von einer Geschichte namens Zeitlos erzählt habe? In diesem Post? Nun, da hat mein Schaden (haha. Kein Hirn.) mir letztens, rein zufällig in der Anatomie-Vorlesung mir letztens wieder ein paar Sätze in den Kopf geworfen. Das Problem ist nun, dass die im Präsens sind. Das Problem ist auch, dass sie unglaublich melodramatisch und pathethisch sind, wie die ganze Geschichte eigentlich, aber auch, dass sie im Präsens sind und ich sie eigentlich recht gerne mag (also, für pathethisch und melodramatisch), wie sie sind. Ich könnte sie natürlich auch ins Präteritum umschreiben, oder aber, was mein Schaden ohne Hirn sagt, die ganze Geschichte im Präsens schreiben und dafür das gesamte erste Kapitel und das, was ich vom zweiten schon habe, umändern. Ich weiß es nicht. Das sind aber jedenfalls die Stellen, die ich im Kopf hatte (und neiiin, sie sind üüüüberhaupt nicht von Chemie und Physiologie beeinflusst):

Carl ist unglaublich stark. Nicht körperlich, da bin ich vermutlich sogar kräftiger als er. Aber er strahlt eine Sicherheit und Unerschütterlichkeit aus, von der ich nicht einmal träumen kann. Manchmal, wenn wir nebeneinanderliegen, habe ich das Gefühl, in seiner Stärke unterzugehen und mich darin aufzulösen wie Salz im Wasser, bis nichts mehr von mir übrig ist, außer vielleicht ein paar Ionen, die nichts mehr spüren und keinen Mist bauen können. Und dann wache ich irgendwann aus meinen Gedanken auf und er liegt auf der Seite und sieht mich mit diesem undefinierbaren Blick an, den ich nie lange ertragen kann. Dann weiß ich, dass es Zeit für mich ist, nach Hause zu gehen. Weil ich weiß, dass er womöglich Dinge denkt, die ich niemals hören will. Und das ist fast so schlimm, wie wenn er sie aussprechen würde, auch, wenn er in diesen Momenten noch nie ein Wort gesagt hat.
~
Etwas in mir scheint zu zerbrechen, als ich begreife. Es beginnt in meinem Brustkorb, wo es einen festen, schleimigen Klumpen bildet, und breitet sich dann in meinen Hals und hinter meine Augen aus. Und dann heule ich, diesmal richtig. Ich heule, bis ich keine Luft mehr bekomme und schluchze selbst dann noch weiter, sodass ich irgendwann sicher bin, an meinen Tränen zu ersticken. In diesem Moment will ich Salz sein und zu Ionen zerfallen. Aber ich löse mich nicht auf und als ich mich endlich halbwegs beruhigt hab, liegt das Kind noch da und ist tot, und ich bin immer noch da und immer noch allein. 

Natürlich werden nicht alle Stellen so melodramatisch sein. Das Teil soll immer noch auch Comedy sein, eine Tragikomödie eben, und genau so wird es auch geschrieben. Da eignet der Protagonist sich auch wunderbar zu. Und irgendwann schaff ich es vielleicht sogar, das Baby aufzuschreiben und hochzuladen. Iiiiiirgendwann. Ich hab ja eigentlich noch eine Menge größerer Projekte (das hier ist zum Glück kein Roman mehr sondern Kurzprosa), an denen ich mal weiterarbeiten sollte. Iiiiirgendwann. *pfeif*

Samstag, 27. September 2014

Schreibtisch-Pic-Spam

Und wo ich schon dabei bin ... hier auch der dritte Teil der Challenge. ^^ Halbzeit. Ein paar der Sachen werden Blogleser schon kennen und ein paar Links musste ich entfernen, weil Leute, die bei Poolys nicht registriert sind, sie nicht aufrufen können.


Schreibtisch-Challenge Nr.3: Pic-Spam




Zu diesem Thema habe ich eigentlich schon viel geschrieben, was ich nicht alles wiederholen will. Ich habe viele Lieblingsprojekte, die mir sehr am Herzen liegen und auf die ich sehr stolz bin. Beim Schreiben sind das vor allem Nichts währt ewig, Zur Hölle! und alles rund um mein sogenanntes Grimmyversum. Das sind drei Geschichtenuniversen, die wirklich gigantische Ausmaße in menem Kopf angenommen haben, sich abwechselnd in den Vordergrund drängen und eigentlich machen, was sie wollen. Die Charaktere aus diesen Universen sind für mich inzwischen auch sehr lebendig geworden, ich habe jeden einzelnen von ihnen lieb und sie ... machen auch, was sie wollen. Auf ihre Mama hören? Fehlanzeige.

Ansonsten gibt es zwar ein paar Geschichten, auf die ich recht stolz bin, weil sie meiner Meinung nach für meine Verhältnisse und gemessen an meinen Fähigkeiten und der Qualität, die ich erreichen kann, sehr gut gelungen sind. Aber das sind abgeschlossene Kurzgeschichten, die auch in meinem Kopf damit abgeschlossen, dort nicht mehr präsent sind. Deshalb müssen sie auch nicht in diesen Eintrag. Die oben genannten Projekte sind noch weit von Perfektion oder auch nur Qualität entfernt. Teilweise, weil sie noch gar nicht geschrieben sind, zum Teil, weil sie noch viel überarbeitet werden müssen. Die zweieinhalb Kapitel von Nichts währt ewigzum Beispiel sind voller Stilblüten, Wortwiederholungen und Rechtschreibfehlern, weil sie noch gar nicht überarbeitet worden sind. Und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sie so weit sind, dass ich wirklich zufrieden mit ihnen bin. Aber ich liebe sie, weil sie so präsent sind, mir ansonsten langweilige Minuten mit Kopfkino versüßen und weil wirklich Herzblut in sie hineinfließt.

Ansonsten gibt es wohl auch ein paar Bilder, auf die ich recht stolz bin. Zum einen ist da das Portrait von Marilyn Monroe, das ich in meinem zur Zeit leider noch ziemlich leeren Zeichenthread hochgeladen habe, dann ist da außerdem mein erstes Portrait, das ich mit weiß auf schwarz gezeichnet habe. Perfekt ist es nicht, aber es hat großen Spaß gemacht, es zu zeichnen und es ist besser geworden, als ich es von einem allerersten Versuch erwartet hätte:



Außerdem gibt es da zwei Ölbilder, die ich während meines Auslandsjahres in England gemalt habe. Leider habe ich sie nicht mit nach Deutschland mitnehmen können, aber abfotografiert habe ich sie. Beide sind von Fotos abgemalt, die ich mal gemacht habe und haben ganz nette Geschichten.
Das erste ist von einem Foto abgemalt, das ich für den Kunstunterricht machen sollte. Damals sollte ich mehrere Fotos machen und habe es immer weiter hinausgezögert, bis ich irgendwann unter ziemlichem Druck stand und irgendwann einfach willkürlich alles geknipst habe, was in irgendeiner Form ästhetisch aussehen könnte. Hobby- und Profi-Fotografen, die mit Leidenschaft dabei sind, mögen mir das bitte verzeihen, ich hatte mein Interesse an der Fotografie damals noch nicht entdeckt und hatte am Malen und Zeichnen mehr Spaß. Unter anderem habe ich jedenfalls einfach nachts die Straße geknipst, wobei ein Auto vorbeigefahren ist, sodass dieses Bild entstanden ist. Und das habe ich bei meinem ersten Ölbild versucht abzumalen. 



Perfekt ist es nicht, aber für das erste (eigentlich zweite, aber das allererste zählt nicht wirklich) Ölbild ist es doch gar nicht so schlecht.

Das zweite Bild ist im Rahmen des Themas Impressionismus entstanden und zeigt einen Park mit Ruinen, in dem ich mich sehr gerne aufgehalten habe. Das Bild, das ich davon gemacht habe, ist ein Schnappschuss und nicht für den Kunstunterricht aufgenommen. Da wird da unter Anderem gerade mit Photoshop, hatte ich aber plötzlich die Idee, etwas daraus zu machen, und habe in das Foto, das eigentlich tagsüber entstanden ist, einen Sonnenuntergang (oder Aufgang? Vielleicht ist auch keins von beiden möglich, ich hab nämlich keine Ahnung, welche Himmelsrichtung das ist) eingefügt und die Farben etwas verändert, damit sie zur Tageszeit passen. Und das dann auch gemalt.



Zugegeben, es hat nicht die beste Qualität und besser kann ich es auch nicht mehr abfotografieren, weil ich es nicht mehr habe, aber zumindest sieht man, was drauf ist. ^^

Tja, dann gibt es noch ein Portrait, das 2012 entstanden ist und eine etwas traurige Geschichte hat, weil es meinen Vater zeigt und ich es für dessen Beerdigung gezeichnet habe. Am Tag der Beerdigung selbst sogar, aber ich hatte einigermaßen Zeit. 4 Stunden hat es insgesamt gedauert, was für A3 nicht viel ist, denke ich, aber ich nehme mir sowieso nie wirklich Zeit für meine Bilder. Leider ... ^^' Aber ich bin zufrieden damit, den Gästen hat es auch gefallen und man erkennt ihn, was das wichtigste ist. Und ich muss mich abermals für die schlechte Qualität entschuldigen. Da ich lange keinen Scanner hatte und ehrlich gesagt keinen blassen Dunst hab, wie der, den wir jetzt haben, funktioniert (und der kann eh nur bis A4), ist alles abfotografiert und das sieht man den Bildern an.



Und zum Schluss gibt es noch ein Bildchen, das wirklich keine große Kunst ist, aber ich liebe es. Ich liebe es wirklich. Und deshalb MUSS ich es herzeigen, auch wenn es nur abgemalte Bandlogos und wackelige Schrift beinhaltet.



Da fehlen übrigens noch Bandlogos. Eine Menge. Und Queen und Zeppelin sind übrigens nicht aus Prioritätsgründen so groß - auch wenn ich beide Bands wirklich,wirklich liebe - sondern weil ich mich anfangs verschätzt habe und dann gemerkt habe, dass ich doch etwas mehr Platz brauche. Nirvana muss da aber noch drauf. Die Sex Pistols. Inzwischen auch Placebo. Guns'n'Roses. RHCP. Jimi Hendrix. Unbedingt Jimi Hendrix. Ähm ... vielleicht sollte ich es nochmal malen. Mit einer etwas klügeren Aufteilung und mehr ... Platz. Erröt Pfeif

Woodstock, Wuff und Drama

Die Schreibtisch-Challenge geht weiter. Und ich habe beschlossen, alle Beiträge auch hier zu posten, weshalb hier nun der zweite (und im nächsten Post auch der dritte) kommt. ^^

Schreibtisch-Challenge Nr. 2: Woodstock, Wuff und Drama




Das Thema hier gefällt mir. Es gefällt mir sogar sehr gut. Weshalb ich jetzt auch was dazu schreibe, auch wenn ich eigentlich müde und unmotiviert bin.
Und obwohl mir eigentlich das Material für diesen Eintrag fehlt. Denn um meine allerersten Sachen zu präsentieren - wirklich die frühesten - bräuchte ich Zeichnungen, die ich nicht mehr habe. Zeichnen, das tu ich nämlich schon seit ich mich erinnern kann. Länger noch. Ich habe schon immer ein sehr lebhaftes Kopfkino gehabt und mir alle möglichen Geschichten ausgedacht, und von diesem Kopfkino inspiriert Szenen gezeichnet. Dass es sich dabei um etwas handelt, was ich auch aufschreiben könnte, ist mir sehr lange nie in den Sinn gekommen. Die Geschichten waren eher ein Zeitvertreib für mich, nichts, was ich mit anderen geteilt habe. Und vieles, was jetzt noch an Kopfkino entsteht, ist noch immer nur ein privater Zeitvertreib, diesmal jedoch nicht, weil es mir nicht in den Sinn kommt, es aufzuschreben, sondern weil nicht alles, was da entsteht, auch geschichtenauglich ist. 

Fangen wir aber mit den Zeichnungen an, denn die kamen noch vor den Geschichten. Ich habe schon früh angefangen, Menschen und alle möglichen Figuren zu zeichnen. Einige Bilder hat meine Mutter noch irgendwo, denke ich, aber ich habe nur ein einziges gefunden - das Cover einer selbstgebrannten CD, das ich bemalt habe. Ich muss etwa fünf gewesen sein, als meine Mutter mich darum bat, es für sie zu verzieren.



Was diese Dame nun mit Woodstock zu tun hat? Ich habe keine Ahnung. Ehrlich nicht. Allerdings konnte ich mir damals unter Woodstock auch nicht wirklich etwas vorstellen. Razz
Tja, und das zeigt in etwa den Stil, in dem ich mit etwa fünf Jahren gemalt habe. Immer so ein U als Kopf und dann alles andere dazu. Früher habe ich auch im Profil ein U gemalt und die Nase daran, bis mir irgendwann in der Grundschule aufgefallen ist, dass der Kopf von der Seite betrachtet eine etwas andere Form hat als von vorn (yep. Weil das U die Form auch so genau trifft). Und dann habe ich angefangen, Menschen im Profil anders zu zeichnen. Mit so etwas wie einer erkennbaren Nase, einem Kinn, etc. Überhaupt, mit Nasen hab ich mich irgendwie viel befasst ... gelungen sind sie mir trotzdem nie. XD

Tja, und irgendwie ist es schade, dass ich nicht noch mehr Bilder zum Lachen habe, aber dann müssen jetzt eben die Geschichten herhalten. Ausgedacht habe ich mir ja vieles, das kann ich nun nicht alles hier im Detail erklären. Deshalb beschränke ich mich mal auf eine Geschichte, eine der ersten richtig großen, die ich mir je ausgedacht habe. 
Ein wirklich umfangreiches Projekt, das mein Kopf sich über Monate, vielleicht sogar 1-2 Jahre hinweg jeden Tag auf dem Weg zur Grundschule zusammenfantasiert hat. Diese Geschichte hatte ich mit wirklich sehr vielen Details im Kopf und habe sie mir als Film oder manchmal als Zeichentrickserie vorgestellt, mitsamt Intromusik und Kameraeinstellungen. Nur, dass ich damals das Wort Kameraeinstellung natürlich noch nicht kannte. Wink
Inhaltlich kann man sie eigentlich mit den Worten Welpen, Mary Sue und Melodrama gut zusammenfassen. Sie handelte von einer Gruppe von Welpen, die alleine in einer Höhle am Stadtrand wohnen und jede der Geschichten bestand eigentlich nur aus einer Menge Drama, in der der Protagonist, den ich kreativerweise Wuffi genannt habe, von seinen Geschwistern wie Dreck behandelt und ausgeschlossen wird, ihnen in einer halsbrecherischen Aktion das Leben rettet, fast draufgeht, und sie sich dann mit ihm versöhnen und ihn als Held feiern. Nur, um dann noch einmal von vorne loszulegen. Anfangen tat das Ganze mit einer trächtigen Hündin namens Laika (ja, wie die im All), die ausgesetzt wurde weil ihre Besitzer sich nicht um die Welpen kümmern wollten, und ihre Kinder in dieser Höhle zur Welt bringt. Enden tat es irgendwann mit einem Labyrinth aus Flammenwänden mit Zimmertemperatur, das vor der Höhle ste- brennt und sie so vor Eindringlingen schützt. Und ich glaube, die Welpen sind nach der Handlung, die mehrere Jahre umfasste, noch immer Welpen geblieben. Oh, und Wuffi ist vielleicht, vielleicht aber auch nicht, mit einer Katze zusammen, da konnte ich mich nie ganz entscheiden. Und Vegetarier.
Warum ich gerade diese Geschichte gewählt habe? Ganz einfach, weil ich da mit Textausschnitten herhalten kann.
Damals habe ich sie nicht aufgeschrieben, weil ich nie etwas aufgeschrieben habe. Und die ersten Geschichten, die ich geschrieben habe - angefangen habe ich mit etwa 15 - habe ich nicht mehr. Aber ich habe irgendwann nachträglich angefangen, dieses Machwerk, an das ich mich noch einigermaßen erinnern kann, aufzuschreiben. Diesmal jedoch nicht als ernstgemeinter Roman, sondern als Parodie, eine Art MSTing. Im Serienformat, da ich das Teil ja unter Anderem auch als Serie im Kopf hatte. Auf den Hund gekommen nennt diese ... "Geschichte" sich und alles, was ich bisher davon aufgeschrieben habe, kann man auch hier ... äh ... nicht genießen, aber mit dieser grotesken Unfallfaszination ... betrachten. Ich poste nur ein paar Ausschnitte daraus, damit man zumindest inhaltlich einen Einblick in das kriegt, was mein Hirnschaden sich früher ausgedacht hat. Und stilistisch eigentlich auch, weil die Kapitel schon wieder etwas älter sind und nicht mehr ganz meinem aktuellen Schreibstil entsprechen.





1. KAPITEL: DIE ANFÄNGE



Hilfe, eine Geschichte – Auf den Hund gekommen

Es ist ein Hundeleben 

Es war einmal eine Siebenjährige. Und jeden Tag, wenn diese Siebenjährige auf dem Weg zur Schule war, spielte es in ihrem Kopf verrückt. Da wurden Filme gedreht und Bücher geschrieben. Sogar die verschiedenen Aufnahmewinkel und die Hintergrundmusik hatte sie im Kopf. Und irgendwann war da dann eine Geschichte. Und was für eine! Sie war lang. Sie war dramatisch. Sie war romantisch. Sie ist die Geschichte, die Geschichte die man einfach gelesen haben muss! Und deshalb wird sie jetzt endlich niedergeschrieben. 

~

Traurige Musik. Wir befinden uns irgendwo in einer tristen, grauen Großstadt. Ihr Name? Egal, welche Städtenamen kennt eine Siebenjährige denn schon? Was weiß sie schon über Geografie, Politik, über Recht und Gesetz, über kanide Anatomie? Nun, zurück zu unserer Geschichte. Fangen wir einfach nochmal von vorn an.

Wir hören traurige Musik, gespielt auf einer Bratsche – richtig, denn für die Geige sind die Töne etwas zu tief, aber das weiß die Siebenjährige nicht. Eine Weile erfreuen wir uns am grauschwarzen Panoramabild der Hausdächer und Straßen, beobachten Autos auf der Straße. Die Musik schwächt langsam ab, ein Kamerazoom in eine enge, dunkle Gasse. Die Geschichte beginnt. Die trächtige Hündin Laika wankte über den Asphalt und weinte bittere Tränen.

„Mir doch egal dass Hunde eigentlich nicht weinen können!“, schluchzte sie leise und schüttelte sich. „Wenn mich diese Idioten von Menschen aussetzen, nur weil ich trächtig bin und sie sich nicht um die Welpen kümmern können. Und dass ich als Hund Selbstgespräche führe in denen ich das Offensichtliche sage damit auch die dümmsten Leser es verstehen, macht mir nichts aus, egal wie hölzern und unrealistisch es klingt.“ Und so stapfte sie weiter durch die dunklen Gassen und führte weinend Selbstgespräche, die kein Mensch hören oder gar verstehen konnte. Bis auf die masochistischen Zuschauer, versteht sich.

Laika musste sehr weit gelaufen sein, denn irgendwann bemerkte sie, dass sie sich außerhalb der Stadt befand. Sie war völlig erschöpft, und sie spürte, dass es bald so weit sein würde. Ihre Welpen würden nicht mehr lange warten. Aber hier konnte sie sie nicht zur Welt bringen, sie musste einen geschützten Ort finden. Also ging sie weiter, die Welt verschwamm vor ihren halbgeschlossenen Augen und die Welpen traten von innen gegen ihre Bauchdecke. Als sie völlig am Ende ihrer Kräfte war, sah Laika wie durch ein Wunder eine Höhle, die ihr die narrative Gottheit in einem Anflug von Mitleid und Logikverlust vor die Nase gestellt hatte. „So weit schaffst du das noch“, sagte Laika sich ungeachtet der Tatsache dass sie zu schwach zum Sprechen war und zog sich mit letzter Kraft in die Dunkelheit, wo sie regungslos liegen blieb. Und so kam es, dass sie nachts in einer großen leeren Höhle ihre Kinder zur Welt brachte.


2. KAPITEL: DAS INTRO

Vor die Hunde gegangen

Fröhliche Musik, fünf Welpen erscheinen und winken uns mit ihren Pfoten zu. 

„Wuff!“ „Wau!“ „Wuff!“ „Miau!“ 

„Alter, Rex, wie oft muss man dir deinen Text erklären bis du’s endlich kapierst? Es heißt WAU, Walter- Alfred- Ulrich, W-A-U. Oder meinetwegen auch Wuff. Das kann doch nicht so schwer sein.“ 

„Halt doch deine Klappe, ich bin wenigstens intillegent genug um eine Fremdsprache zu lernen.“ „Das heißt intelligent, du Erbsenhirn. Lern erst mal deine eigene Sprache.“ 

„Du immer mit deinen Anglizismen, dann bin ich halt kluk genug…“ 

„Leute, kriegt euch wieder ein! Wir sind schon seit fünf Minuten auf Sendung. Könnt ihr euren Streit nicht später austragen. Also nochmal von vorn…“ 

 „Typisch, Wuffi muss mal wieder der…“ 

 „Wuff!“ „Wau!“ „Wuff!“ „Wau!“ „Wuff!“ 

Hallo liebe Zuschauer, schön dass ihr wieder eingeschaltet habt!“ 

„Dafür hätte ich echt einen höheren Gehalt verdient.“ 

„Halt’s Maul, Rex!“ 

„Jetzt geht es endlich weiter mit der spannenden, dramatischen, tragischen und su-per-interessanten Geschichte unseres Helden Wuffi weiter. Sein Leben wird sich nun auf tragische Weise verändern. Aber seht selbst.“

 ***

3. KAPITEL: DIE GESCHICHTE

Wuffi rannte und rannte. Den Schmerz in seinen Beinen spürte er kaum noch, so entschlossen war er, seine Familie zu warnen. Ja, sie hassten ihn. Und sie hatten ihn im Stich gelassen. Aber immerhin zwang sie das narrative Gesetz seiner kindlichen Erfinderin dazu, genauso wie er gezwungen war, immer heldenhaft und nobel zu handeln. Also rannte er weiter. Die Welt verschwamm vor seinen Augen, sein Atem ging flach und schnell, ein stechender Schmerz machte sich in seinem Brustkorb breit. Er musste es einfach schaffen.

 „Komm schon, Wuffi. Das schaffst du“, spornte er sich selbst an und ignorierte gekonnt die Tatsache, dass er eigentlich nicht in der Lage sein sollte, zu sprechen, wenn er so außer Atem war. Da – endlich! Etwa zwanzig Meter vor sich sah er die Höhle und meinte auch, zwei spielende Hunde zu erkennen. Seine Geschwister waren also noch am Leben. Er hatte war noch rechtzeitig gekommen.

 „Hey!“, schrie er so laut er konnte, und dann nochmal: „Hey! Versteckt euch! Ihr seid in Gefahr!“ Keuchend und mit letzter Kraft schleppte er sich vor die Höhle, wo Bello und Bella gerade spielten, und brach dann erschöpft zusammen. Bella lief besorgt zu ihm hin. Anders als ihre Brüder machte hatte sie sich große Sorgen um Wuffi gemacht, weil sie dem Klischee entsprechend ein sensibles kleines Mädchen war, das sich – eine Anweisung von der Regie – seine Emanzenträume gefälligst verkneifen sollte, während es seine Rolle spielte.

 „Wuffi! Wuffi, was ist mit dir?“, fragte sie und schüttelte ihren Bruder leicht.

 „Ich hole die anderen!“, sagte Bello geistesgegenwärtig und lief davon. Wuffi öffnete die Augen einen Spalt breit und sah seine Schwester an.

 „Bella!“, brachte er ächzend heraus. „Du und die Anderen, ihr müsst euch verstecken. Da… da sind zwei Männer… die…“ Er hustete und schloss dramatisch die Augen.

 „Wuffi, bitte bleib bei mir!“, weinte Bella und schüttelte ihren Bruder erneut, diesmal stärker. „Was ist mit den zwei Männern? Bitte, was willst du mir sagen?“ Der Angesprochene blinzelte und strengte sein Gehirn an, um sich an die letzten fünf Minuten zu erinnern.

„Ich… zwei Männer, die wollen… erschießen…“ Bellas Augen weiteten sich vor Entsetzen. Obwohl Wuffi keine zusammenhängenden Sätze mehr herausbringen konnte, hatte sie verstanden, was er meinte.

„Nein… nein nein nein, das darf nicht sein! Wuffi… Wuffi? Oh nein, du darfst nicht sterben! Wuffi!“

 „Dummkopf“, flüsterte Wuffi leise. Seine Stimme klang schwach und heiser. „Ich bin doch immer beinahe am Verrecken um euch zu retten. Mach dir keine Sorgen…“ Dann schloss er die Augen. Bella blieb eine Weile unschlüssig neben ihrem bewusstlosen Bruder stehen, dann kamen endlich Bello, Schnuffi und Rex.

„Was will der denn hier?“, empörte Rex sich sofort. „Wir hatten ihn doch fortgejagt.“

„Bitte hört mir zu!“, heulte Bella laut auf und die drei Hunde sahen sie besorgt an. „Er ist zurückgekommen um uns zu warnen. Da sind zwei Männer unterwegs zu uns und wollen uns erschießen!“ Bellas Brüder starrten sie entsetzt und ungläubig an. Dann fing Rex an zu knurren.

 „Der lügt doch bestimmt. Er will uns nur Angst machen.“

 „Genau!“, stimmte Schnuffi ihm eifrig zu. „Und dann lacht er uns aus, wenn wir drauf reinfallen und tatsächlich Angst kriegen.“

 „Außerdem kann niemand wissen, dass wir hier leben. Und warum sollte man uns erschießen, das ergibt doch alles keinen Sinn!“ Bello schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich glaube, Wuffi hat sich da was zusammenfantasiert. Der Hunger hat seinem Hirn nicht gutgetan.“ Er sah seine Geschwister erwartungsvoll an, doch diese hatten bei seinen Worten innegehalten und die Augen geweitet.

 „Aber… aber…“ Schnuffi brach ab, weil er keine Worte fand. Bella nickte.

 „Genau darauf wollte ich hinaus. Wenn es keinen Sinn ergibt, dann ist es gut möglich. Denkt daran, wer uns unsere Anweisungen gibt. Unsere Geschichte muss dramatisch sein. Ich habe aber überhaupt keine Lust darauf, erschossen zu werden“

 „Gut“, knurrte Rex. Es gefiel ihm gar nicht, dass plötzlich alle Wuffi glaubten und nicht ihm. Und Bella war auch zu klug geworden. Das würde ihrer Karriere nicht gut tun. Aber es war ihre Sache. Wenn sie so etwas wie eine Gehaltserhöhung nicht nötig hatte…

[...]

Und wie durch ein Wunder kam Leben in Wuffis immer noch geschwächten Körper. Seine Pfoten zuckten und er öffnete vorsichtig die Augen. Ein paar Wassertropfen trafen ihn und er schüttelte sich.

 „B- Bella? Ihr habt euch also in Sicherheit gebracht. Gott sei Dank.“ Bevor er mehr sagen konnte, befand er sich schon in einer festen Umarmung, nach welcher seine Geschwister allesamt mehrere Termine beim Physiotherapeuten brauchen würden. Um ihn herum war ein Stimmengewirr zu hören, Tränen der Freude und Erleichterung flossen, Danksagungen vorgetragen.

„Wuffi, es tut mir ja so leid!“, sagte Rex reumütig. „Ab jetzt wirst du immer ein Teil unserer Gruppe sein. Das verspreche ich.“ Wuffi starrte ihn ungläubig an, zu überwältigt um etwas zu sagen.

„W… wirklich?“, hauchte er schließlich und Rex nickte eifrig.

„Wirklich. Versprochen.“ Doch gerade als die Welpen Wuffis Genesung feiern wollten, wurde sie plötzlich von einer bedrohlichen Stimme unterbrochen.

„Na, wen haben wir denn da? Was für süße, kleine Welpen. Zu dumm, dass sie gegen das Gesetz verstoßen.“ – „Wir doch auch, Boss. Und welches Gesetz meinst du überhaupt?“ – „Maul halten, das ist mein Part. Da müssen wir sie leider umbringen.“ Wuffi erkannte entsetzt den Mann von vorhin und auch sein dümmlicher Komplize stand direkt neben ihm. Die Männer hatten alte Revolver gezückt und grinsten schadenfroh.

 „Oh nein … Wuffi, du hattest tatsächlich Recht. Was sollen wir jetzt nur tun?“ Bella zitterte, doch nicht vor Angst, sondern vor Wut darüber, dass sie es diesen zwei Machos nicht zeigen konnte.

„Wofür habe ich all die Karate-Stunden genommen? Wozu die ganzen Slebstverteidigungs-Kurse besucht? Um hier dumm rumzustehen und so zu tun als wäre ich zu schwach um eine Fliege zu erschlagen?! Oder meinen Knebelvertrag zu zerreißen, wo wir schon dabei sind …“

„Sei still, Bella, du bist wenigstens kein verblendetes Macho-Mamasöhnchen. Also, was sollen wir tun? Jetzt kann uns nur noch ein Wunder helfen…“

Eine langsame, bedrohlich klingende Melodie wird auf dem Cello gespielt während wir die beiden Männer betrachten. Ihre Schatten füllen fast den gesamten Bildschirm aus, im Dunkeln sieht nur ihr fratzenartiges Grinsen und das Blitzen ihrer Zähne. Einige Zuschauer wünschen sich bestimmt schon zu Alpha Centauri zurück. Die Musik schwillt an, als auch andere Instrumente gehört werden können, schneller Kamerazoom. Über der gewaltigen, unrealistisch hübschen Waldlandschaft erscheint der Abspann.